Torffreie Blumenerden

Mehr als 95 Prozent der Moore in Deutschland sind zerstört. Dabei haben sie eine immense Bedeutung für den Klimaschutz. Ein Beitrag von DW Deutsche Welle.

Gartenböden benötigen ausreichend Humus und eine lockere Struktur. Die verbreiteten Torfprodukte wie Düngetorf oder Torfhumus können diese Aufgaben aber aufgrund der Nachteile des Torfes nur sehr kurzfristig erledigen:

  • Torf ist extrem sauer (pH-Wert von 2,5 – 3,5) und versauert daher den Boden. Die meisten Pflanzen benötigen einen pH-Wert von 5,5 – 6,5 (schwach sauer bis neutral).
  • Das für die Bodenfruchtbarkeit so wichtige Bodenleben leidet sehr unter der Versauerung.
  • Torf enthält kaum Mineralien und zersetzt sich schon nach kurzer Zeit im Boden. So trägt er nichts zur Dauerhumusbildung im Boden bei. Seine Fähigkeit, Nährstoffe zu speichern ist sehr gering.
  • Torf kann viel Wasser aufsaugen und vernässt in Regenperioden (Moor), doch ist er einmal völlig ausgetrocknet, nimmt er kaum noch Wasser auf.

Also bitte immer torffreie Blumenerden benutzen! Beim Bodenschutzaktionstag und unseren Aktionswochen werden wir einige Alternativen aufzeigen können.

Foto: NABU/Sebastian Hennigs


Grafik: NABU/Jenni Ottilie Keppler

NABU startet Moorschutzprojekt „Peat Restore“ in fünf EU-Staaten

Klimaziele werden ohne besseren Schutz und Renaturierung von Mooren verfehlt

Zum „Welttag der Feuchtgebiete“ am 2. Februar erinnert der NABU an die interna­tionale Ramsar-Konvention zum Schutz dieser bedrohten Lebensräume, die Deutsch­land 1976 unterzeichnet hat. Unter den Feuchtgebieten sind insbesondere die Moore auch unter Klimaschutz-Gesichtspunkten bedeutsam. „Moore gehören zu den weltweit am stärksten bedrohten Ökosystemen. Sie nehmen nur drei Prozent der Landfläche ein, binden jedoch 30 Prozent aller Kohlenstoffvorräte der Welt – doppelt so viel wie alle Wälder“, stellt NABU-Vizepräsident Thomas Tennhardt fest. Der NABU hat daher im Jahr 2016 gemeinsam mit acht Partnerorganisationen aus Polen und dem Baltikum das EU-LIFE-Projekt „Peat Restore“ gestartet.

„Im Klimaschutz wird sich zu häufig ausschließlich auf die sichtbaren Emissionen wie die aus dem Industrie- und Verkehrssektor konzentriert. Allerdings wird das erklärte Ziel der Weltgemeinschaft, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, selbst bei einer drastischen Reduktion dieser Emissionen nicht zu erreichen sein, ohne gleichzeitig auf eine nachhaltige, ökologisch ausgewogene Nutzung von Feuchtgebieten sowie Moorrenaturierungen zu setzen. Der Schutz der Moore ist daher für das Weltklima unverzichtbar“, so Tennhardt.

Moor als  natürliche Kohlenstoffsenke

Ziel des Projektes „Peat Restore“ ist es, degradierte Moorflächen in Polen, dem Balti­kum und auch im Biesenthaler Becken in Deutschland durch abgestimmte Maßnahmen wieder zu intakten Lebensräumen zu entwickeln und nachhaltig zu schützen. „Erst wenn die Wasserstände im Moor angehoben werden, so dass der Boden wasser­ge­sät­tigt ist, kann sich wieder Torf bilden und das Moor seine ursprüngliche Funktion als natürliche Kohlenstoffsenke wieder aufnehmen“, sagte NABU-Moorschutzexperte und Projektleiter Dominik Zak.

  • Insgesamt 14 Moorflächen
  • mit einer Gesamtgröße von knapp 5.300 Hektar sollen auf diese Weise
  • innerhalb von fünf Jahren wieder in einen naturnahen Zustand überführt werden.

„Neben Deutschland sind Polen und das Baltikum für den internationalen Moor- und damit Klimaschutz bedeutend. Hier gibt es besonders viel degradierte Moorfläche und damit ein sehr hohes Potenzial, um die durch Menschen verursachte Freisetzung von Treibhausgasen zu verringern“, erklärte Zak. Denn trotz ihrer geringen Flächengröße gehören die Projektländer weltweit zu den ,Top-Emittenten‘ bei der Treibhausgas­frei­setzung aus entwässerten Mooren. Daher setzt sich der NABU besonders in diesen Regionen für den Moorschutz ein. In dem Projekt arbeiten neun Organisationen und Institutionen aus fünf europäischen Nachbarstaaten zusammen, darunter Uni­ver­sitäten, Naturschutzorganisationen und Wirtschaftsunternehmen. Der NABU finanziert seinen Anteil aus dem Internationalen Moorschutzfonds. Die Europäische Union fördert das Vorhaben mit rund vier Mio. Euro aus dem Programm LIFE „Climate Change Mitigation“.

Hintergrund zum Internationalen Tag der Feuchtgebiete

Mit dem Beginn der 1960er Jahre wurden Feuchtgebiete radikal entwässert. Eine Folge war ein drastischer Rückgang der Wat- und Wasservögel. Aus diesen Gründen wurde am 2. Februar 1971 in der Stadt Ramsar im Iran ein internationales Abkommen zum Schutz dieser bedrohten Lebensräume beschlossen. Deutschland unterzeichnete den Vertragstext 1976 und hat sich damit verpflichtet, die nach der „Ramsar-Konvention“ geschützten 34 Gebiete in Deutschland insbesondere als Lebensraum für die Vogelwelt zu erhalten. Zur Erinnerung an dieses Abkommen wird der von der UNESCO ausge­rufene „Welttag der Feuchtgebiete“ seit 1997 jährlich am 2. Februar begangen.

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